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Normale Version: Frauen pflastern meinen Weg
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Sie sah mich an, streng und gründlich. Die Frau Direktorin mit Scherenschritt vorweg.

„Folgen Sie mir auffällig!“ sprach es. Ich fühlte mich klein und schwer. Ein kleiner Junge ohne Schuldbewusstsein war ich. Ich hatte mit Inga nur geknutscht und ein wenig gefummelt. Wir hatten nichts vor, als uns die schwatzhafte Mathevertretung erwischte. Hinzu kam, dass ich bald achtzehn wurde.

Im Zimmer von Frau Direktorin Blase hing schwere Luft. Schwere Vorhänge, zarter Pädagoginnenschreibtisch und eine schwere Frau. Ob sie vierzig oder fünfzig war, konnte ich nicht sagen. Sie hatte gesprenkelte Haut, Brüste mit Formen die ich so noch nie gesehen hatte. Es war nicht nur die Größe dieses Busens, es war die ganze Umgebung, die mich förmlich automatisch ehrfürchtig machte. Soviel Tüll, Rüschen und Punktmuster in einem Raum. Unglaublich. Brille mit Goldrand dazu, Ringe und Armreifen und Lippen wie Schwimmkissen, dazu ein bis zum Boden reichendes Kleid, offenbar ein paar Nummern zu klein.

Sie ermahnte mich wegen meiner Unreife. Ich müsse doch wissen, dass ich in der großen Pause nichts in der Klasse zu suchen habe. Ich müsse doch auch wissen, dass Inga viel zu jung sei für mich.
„Was sollen denn ihre Eltern sagen!“

Dabei sah sie mich an, wie meine erste Grundschullehrerin, die mir noch die Ohren lang gezogen hatte und dabei zur Sicherheit nachfragend, ob es auch wehtun würde. Ich bejahte das ohne mich zu bewegen und bekam noch eine Kopfnuss hinterher. Das Schlimmste aber war ihr extremer Mundgeruch. Eine Frau, welche ihre Innereien nach außen zu stülpen schien.

Direktorin Blase roch nach Hautcreme. Nach ganz viel Hautcreme und Schweinefett. Ihr breites Antlitz machte mich stumm. Sie machte ein paar Schritte, drehte sich um und bückte sich nach einem Bleistift. Ihr Hintern war ein ganzes Zimmer. Genau genommen ein komplettes Zweifamilienhaus. Sie wedelte beim Hochschrauben verführerisch mit der Kehrseite. Ich hätte aber gar nicht gewusst, wo da anfangen und wo aufhören, aber derartige Gedanken verbat ich mir auch sofort.

Inga dagegen: dass waren nur Striche. Mund, Augen, Arme. Striche. Aber sehr schöne Striche. Grazile und leichtfüßige Striche, die wie Trickfiguren vor einem umher springen. Sie war groß und weißhäutig und lachte immer. Sie schmeckte nach Milchbar.

Frau Blase sprach von Toleranz und Moral und das sie ja gar nicht so sei. Die ewige Leier in dieser Zeit. Niemand erlaubte sich gegenüber uns Schülern mit Sexualität irgendein Problem zu haben. Junge Lehrerinnen hatten Nebenjobs bei Satiremagazinen und schliefen mit dem öffentlich angesagten Redaktionsteam. Es gab keine Chefs, sondern Einheitslohn und eingebaute Liebesinseln. Wir wussten ja, dass Frau Blase so etwas wohl oder übel hinnahm. Sie strich mir über die Schulter. Dabei rutschte die Hand ab. So stark war sie eingecremt.

Ich starrte ängstlich auf diesen Mund, der wie ein Kriegs – U-Boot auf mich zukam. Ich hoffte darauf gut und schnell verdaulich zu sein. Es war das erste Mal, dass Todesangst für mich konkret wurde. Sie nagte aber nur ein bisschen an mir, befand dabei auch, dass ja nicht viel dran sei an diesem ungezogenen Knäblein. Dann hatte ich furchtbare Angst davor, dass sie sich ausziehen würde. Zum Glück aber blieben wir beide angezogen. Ihre Lippen hatten sich vollständig auf mein Gesicht gepresst, es angezogen. Ich fühlte mich eingedellt, wie ein Boxer. Nachdem ich leise darum bat, jetzt gehen zu dürfen, durfte ich das auch. Es war mir eine Lehre. Ich knutschte nie wieder mit Inga innerhalb der Abmessungen dieses Schulgebäudes. Leider wollte dann aber auch Inga nichts mehr von mir wissen.

Einen blauen Brief gab es aber trotzdem. Die Direktorin war von mir einfach menschlich sehr enttäuscht. Ich wechselte die Schule.

Jetzt sitzt mir meine Käthe gegenüber. Der Traum von einer Frau mit Marzipankartoffeln im Gesicht. Ich wollte im Leben immer eine Position finden. Jetzt habe ich sie. Käthe ist nicht zu groß für mich, hat Naturlocken und einen echten Mund und eine Zunge weich wie Schafwolle. Ihre Pullover passen mir manchmal auch. Ich bin also erst einmal angekommen.

30. August 2009
Hallo mvs ... finde den Text zwar interessant durch die coole Jugendlichenperspektive, an zwei Stellen aber nicht überzeugend:

Ist für mich irgendwie unglaubwürdig, dass die Direktorin hier ihre berufliche Distanz verläßt ... auch die nächste Episode mit Käthe. So abgeklärt wirkt der Junge nicht.

Herzliche Grüße !!
(30.08.2009 23:33 )kalle schrieb: [ -> ]Hallo mvs ... finde den Text zwar interessant durch die coole Jugendlichenperspektive, an zwei Stellen aber nicht überzeugend:

Ist für mich irgendwie unglaubwürdig, dass die Direktorin hier ihre berufliche Distanz verläßt ... auch die nächste Episode mit Käthe. So abgeklärt wirkt der Junge nicht.

Herzliche Grüße !!

ich bin mir nicht sicher, ob die distanz hier verlassen wurde und ob der übergriff nicht nur in jonathans phantasie stattfindet. zu käthe ist er nicht abgeklärt - das stimmt wohl - aber wo wirkt das so? er schustert sich doch nur eine einfache welt zusammen.

beste grüße matthias und danke
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